Interview mit einer Domina
Als Bestandteil des amerikanischen Resozialisierungsprogrammes (NRA = no real absolution) für lebenslang Inhaftierte hatte sich Charles Manson an einem Journalistik Kurs beteiligt. In diesem Zusammenhang erschien in der Prison Award Monthly unter dem Titel “Interview mit einer Domina” das folgende Gespräch, das Charles Manson mit Fräulein Möller geführt hat.
Charles: So, ja, du bist also eine Domina.
Fräulein Möller: Sie! Sie sind also eine Domina.
Charles: Ist doch wurscht. Also was macht denn so eine Domina? Das ist so was mit Fesseln und Hauen, ja? Klingt ja ganz gut.
Fräulein Möller: Nein eigentlich eher nicht. Ich finde diesen ganzen Fetischkrempel neben albern. Das ist Spielkram für Frauen, die ihre Männer nicht wirklich im Griff haben. Ich bin nur eine ganz normale Hausfrau, die weiß wo ihr Platz ist.
Charles: Bist du denn überhaupt verheiratet?
Fräulein Möller: Natürlich.
Charles: Ich dachte Fräulein ist unverheiratet?
Fräulein Möller: Eigentlich schon. Aber ich lasse mich nicht besitzen. Frau bedeutet ja auch, daß man jemandes Frau ist. Ich bin aber nicht die Frau von meinem Mann, sondern mein Mann ist mein Mann. Also bleibe ich lieber frei und nenne mich auch weiterhin Fräulein Möller. Wenn mein Mann mich vorstellt, sagt er: Das ist meine Gattin, Fräulein Möller.
Charles: Du bist ein bißchen verkorkst, was?
Fräulein Möller: Eher nicht, nein.
Charles: Na wenigstens hast du keine Angst. Ich wollte eigentlich Sharon Stone interviewen, aber die hat prompt gekniffen.
Fräulein Möller: Wovor sollte ich Angst haben? Ich sehe hier nur einen alten klapprigen, aber ziemlich unhöflichen Mann vor mir.
Charles: Du solltest mich nicht reizen! Ich habe immer noch eine Familie da draußen, weißt du?
Fräulein Möller: Aha!
Charles: Au, was fällt dir ein mir ins Gesicht zu schlagen?
Fräulein Möller: Ich hatte es bereits erwähnt. Für dich immer noch “Sie”.
Charles: Du tickst ja wohl nicht richtig, ich rufe gleich den Wärter.
Fräulein Möller: Mach! Dann ist das Interview beendet.
Charles: Schlampe, warte nur ab, bis sich eines Tages die schwarzen Kerle erheben und die Welt beherrschen? Was glaubst du wohl, was sie mit so einer weißen Schnalle wie dir so alles treiben.
Fräulein Möller: Immer noch dieselben Phantasien? Na ja, Psychotherapie. Ich sage dir mal was: Wenn sich auf dieser Welt Kerle, egal ob weiß oder schwarz erheben, dann nur in der Beckenregion und das habe ich gewöhnlich fest im Griff. So etwa …
Charles: Autsch, spinnst du. Nimm deine Flossen da weg.
Fräulein Möller: Und wenn nicht? Was willst du dann machen?
Charles: Verdammt das tut weh. Das traust du dich nur, weil gefesselt bin.
Fräulein Möller: Wenn du nicht schon gefesselt wärst, wäre es jetzt Zeit dich zu fesseln, richtig? Du bist einfach unverschämt.
Charles: Ziehst du dich jetzt aus, ja? Oh Gott, diese weißen Luder sind wirklich schlimm.
Fräulein Möller: Nein, ich brauche nur gerade den Gürtel von meinem Rock.
Charles: Wozu? … Au, verdammt, hör auf damit! … Hey, das ist Gefangenenmißhandlung! … Wenn du mich noch einmal mit dem Gürtel schlägst, hole ich den Wärter. … Na also. … Wieso ziehst du denn jetzt Höschchen aus?
Fräulein Möller: Sie, warum ziehen Sie Ihr Höschchen aus! Ich sage das sicher nicht noch einmal. Und das ist auch kein Höschchen, sondern eine Miederhose. Den Unterschied lernst du gleich kennen. Dieses Ding ist erheblich stabiler, als das was du vielleicht schon mal kennengelernt hast.
Im Verlauf der nächsten 37 Minuten sind auf dem Tonbandmitschnitt, nur erstickte Schreie, Schlaggeräusche und Anweisungen von Fräulein Möller zu hören, die hier aus Jugendschutzgründen nicht wiedergegeben werden können. Es klingt so, als ob Charles Manson etwas sagen will, aber irgendwie hat er wohl den Mund zu voll genommen.
Fräulein Möller: Ich ziehe jetzt die Miederhose von deinem Kopf und die Nylons aus deinem Mund, aber wenn ich noch ein einziges Du höre, setze ich meinen Unterricht fort. Ich kann das Stundenlang machen, wenn es sein muß.
Charles: HMMHMM.
Fräulein Möller: Und hast jetzt verstanden, was es mit einer Domina auf sich hat.
Charles: Ja.
Fräulein Möller: Ja, was?
Charles: Ja, Fräulein Möller.
Fräulein Möller: Kommen wir noch mal auf den Aufstand des schwarzen Mannes zu sprechen.
Charles: Ja, das war eine völlige Fehleinschätzung. Der kann sich gar nicht erheben, schon wegen seines Geschlechts nicht. Und Jesus, Jesus war in Wirklichkeit eine Frau, je genau, genauso so wie die Beatles auch. Das hätte ich sofort wissen müssen, weil die ja so lange Haare hatten.
Fräulein Möller: Und …?
Charles: Und was?
Fräulein Möller: Was ist mit deiner Familie?
Charles: Ich habe keine Familie. Ich habe nur dich … aaargh! auuu! Nur Sie, … nur Sie!
Fräulein Möller: Gut, jetzt kommen wir der Sache näher. Also: Du darfst meinen rechten Schuh behalten. Stell ihn neben dein Bett und wenn du wieder irgendwelche Gewaltphantasien hast, steck dir den Absatz einfach dahin, wo ich es dir eben gezeigt habe.
Charles: Ja, mach ich, … ganz bestimmt.
Fräulein Möller: Natürlich. Außerdem erwarte ich, daß du mir jeden Tag schreibst, und zwar darüber, was du gerade über mich denkst und wie sehr du das Leben und somit mich verehrst. Mindestens drei Seiten täglich. Zeit hast du schließlich genug und dann kommst du auch nicht auf dumme Gedanken. Wenn ich keinen Brief kriege, keinen wirklich netten Brief, dann komme ich wieder. Denk dran, ich habe noch einen ganzen Schrank voller Schuhe, die darfst du gerne alle kennenlernen.
Charles: Nein, nein. Vielen Dank.
Wärter: Sind Sie fertig?
Charles: Ja, ich glaube schon … Darf ich in meine Zelle?
Fräulein Möller: Wenn du mir nichts mehr zu sagen hast.
Charles: Doch, doch, Danke vielmals für dieses überaus erhellende Gespräch. Ich sehe die Dinge jetzt mit ganz anderen Augen.
Fräulein Möller: Gut, dann kannst du meinetwegen gehen.
Wärter: Wow, der ist ja echt ein Lämmchen.
Fräulein Möller: Das wären Sie auch, wenn Sie mit mir eine Stunde gesprochen hätten.
Wärter: Wir haben noch einige von solchen Jungs. Vielleicht sollten Sie mit denen auch mal sprechen.
Fräulein Möller: Machen Sie mir eine Liste. Mittwochs und Freitags ab 17 Uhr. Und ich brauche dann einen besonderen Raum wo genug Platz für meine Diskussions- und Therapie-Instrumente ist.




