Artikel-Schlagworte: „60er Jahre“
Brief einer Braut
So bewarb man sich als Frau in den 60er Jahren um einen Ehemann:
Liebe Frau Kordes,
ich habe eine hauswirtschaftliche Ausbildung. 2 Jahre auf ich in der Bräuteschule von Schloß Soonwald abgeschlossen. Ich kann nunmehr backen, kochen, nähen und bin recht flott mit dem Feudel. Wie Sie auf den Bewerbungsfotos unten sehen können, ist meine Unterwäsche genauso sauber und gepflegt wie meine Oberbekleidung. Was die Frage der Hygiene betrifft, so bade ich in der Regel zwei Mal in der Woche, wenn es die finanzielle Situation jedoch erfordert, komme ich auch mit einem Badetag aus.
Selbstverständlich ist mir klar, daß ich als Ehefrau nicht die erste Dame des Hauses bin. Was die Ausübung der ehelichen Pflichten betrifft, so bin ich allerdings nicht bereit diese ausschließlich unter Aufsicht der Schwiegermutter zu vollziehen. Ein ärztliches Attest, daß ich ansonsten gesund an Leib und Seele, sowie im medizinischen Sinne gebärfähig, bin liegt bei. Ich freue mich recht bald von Ihnen zu hören,
Ihre Brianna
Mehr von Brianne auf: Lingerie Galore
Dreimal täglich Liebe
Obwohl es nahe liegt ist “Dreimal täglich Liebe” keine Empfehlung des Bundesgesundheits-Ministeriums und auch keine Standard-Broschüre der Familienministerin zur Steigerung der Geburtenrate, sondern es handelt sich um eine nette, kleine, englische Komödie aus der Doctor-Reihe.
Im Mittelpunkt der Doktor-Reihe von Regisseur Ralph Thomas stehen die Erlebnisse von Dr. Sperling (Dirk Bogarde), wobei in diesem vierten Teil eher die Studienkollegen Richard (Michael Craig) und Tony (Leslie Phillips) in allerlei erotische Verwicklungen geraten, während sie auf eine Festanstellung lauern.
Besonders sehenswert ist obige etwa sechs Minuten lange Szene, in den denen Dawn (Joan Sims) und Leonora (Liz Fraser) völlig betrunken und nur in Unterwäsche bekleidet in ihren Appartement herumalbern und sich mit der Krankenhaus-Matrone fast handgreiflich anlegen. Beide Damen haben bereits in der Carry On-Reihe ihre Qualitäten als Unterwäsche-Ständer unter Beweis gestellt. Und hier zeigt Liz Fraser nochmals, daß die gute Hausfrau immer in Unterwäsche ihrer Hausarbeit, hier beim Bügeln, nachgeht.
Exponierte Dessous
Im Industriemuseum Euskirchen findet vom 27. September 2009 bis zum 20. Juni 2010 die Ausstellung “Dessous – 150 Jahre Kulturgeschichte der Unterwäsche” statt.
Zu sehen ist Unterwäsche aus den letzten 150 Jahren. Da geht es bei den Krinolinen und Korsett des 19. Jahrhunderts los, über die panzerartig wirkenden Mieder und Spitzbrust-BHs der 50er und 60er Jahre, bis hin zu dem Hauch von Nichts der Neuzeit.
Wer von dem Darunter irgendwann genug hat, kann in einer Parallel-Ausstellung “Körper und Kleider seit 1850” sich das passende Darüber anschauen. Vielleicht so: Frauen links, die Herren nehmen bitte den rechten Eingang.
Die Dessous-Exponate lassen sich Dienstags bis Sonntags von 10 – 17 Uhr für 2,50 Euro bestaunen. Leider kann man Gesehenes nicht am Ausgang als Replikat käuflich erwerben, so viel Geschäftssinn sollte man von einem Industriemuseum eigentlich erwarten dürfen.
Spion in Spitzenhöschen
Doris Day in einer ihrer Paraderollen. Die Mutter der Nation zeigt sich in Spion in Spitzenhöschen von 1968 als Jennifer Nelson von ihrer erotischen Seite. Sei es durch die Art wie sie dezent ihren Hintern mehr als unbedingt nötig ins Bild rückt und fast unnatürlich herausstreckt, während sie einem Techniker aus einem Metallzylinder hilft, oder wenn sie Halt findet bei ihrem Chef Bruce Templeton (Rod Taylor). Da wirkt der beherzte Griff an die fast entblößten Brüste auch nicht gerade zimperlich.
Überhaupt hat man den Eindruck das Miss Day es faustdick hinter den Ohren hat. Hinter der gutmütterlichen Fassade lauert ein zickiges kaum zufrieden zu stellendes, hochgradig eitles Weibsbild. Denn, wenn man es genau betrachtet, verzeiht sie auch nicht den kleinsten Fauxpas und mutiert sofort zu wutschnaubenden Dampfmaschine, die auf Vergeltung sinnt. Unverzüglich nutzt sie jede sich bietende Gelegenheit, um eine Handvoll Männer in ihren Bann zu ziehen. Natürlich keineswegs mit der Absicht ihre Bedürfnisse jemals wirklich zu befriedigen. Sie ist halt nur eine Art Lockbild für Männer jeden Alters.
Als weiteres Highlight dieses Filmes ist die Wahnvorstellung des auf einer Partys als Frau verkleideten Wachmannes Homer Cripps (Paul Lynde), daß der Meister der Verkleidung Napoleon Solo (Robert Vaughn) am Tresen sitzt.
Cripps scheint an seiner Erscheinung als Transvestit oder Crossdresser viel Freude zu haben, weil er Doris Day so auf die Damentoilette verfolgen kann und mit ihr eine Zeitlang vor dem Schminkspiegel verbringen kann.
Doch natürlich entlarvt die pfiffige Doris das falsche Weibsbild, weil sie gewohnheitsgemäß einen Blick auf die Beine der Konkurrenz wirft und dort einen eindeutig männlichen Sockenhalter statt der erwarteten Nylons entdeckt.
Zur Rache stellt Doris Day den Kerl in Frauenkleidern auf der Damentoilette bloß, indem sie ihn einfach seines Kleides beraubt.
Der Schiffskoch ist seekrank
Ein nette kleines Filmchen aus der Carry on Reihe, oder wie sie in Deutschland heißen: Ist ja irre.
Der Schiffskoch ist seekrank, von 1962 ist der erste Farbfilm in der Carry on Reihe von Peter Rogers.
Außer den üblichen Verwicklungen, in denen sich die altbekannte Slapstick-Truppe verfängt gibt es auch noch einige interessante Details in dieser Komödie.
Zum Beispiel die Szene in der Florence (Dilys Laye) und Glad (Liz Fraser, r.) sich nach einem Streit um den gut gebauten Fitnesstrainer an Bord in ihrer Kabine für das abendliche Fest fertig machen. Nicht nur, daß sie in böses Mädchen (schwarzes Korsett, dunkle Nylons) und gutes Mädchen (weißer Hüfthalter, helle Nylons) schon durch das Tragen der Unterwäsche charakterisiert werden, nein sie helfen sich auch nicht gegenseitig in die Kleider, was dazu führt, daß beide hinfallen und ihre Kleider gar nicht mehr zu kriegen.
In diesem Zusammenhang stellt sich schon die Frage, wieso Frauen gemeinsam in Unterwäsche vor einem Tisch sitzen und sich zurechtmachen. Egal ob Streit oder nicht, ich habe noch nie mit einem Mann in Unterwäsche in der Küche sitzend meinen Zähne geputzt oder ähnliches getrieben. Ich würde mich sicherlich immer erst mal anziehen. Nun ja, andere Geschlechter, andere Sitten. Aber ich frage meinen Kumpel ja auch nicht, ob er Lust hat mit mir aufs Klos zu kommen, wenn ich in der Kneipe muß.
Versteht sich ja von selbst, daß die Weiber sich wieder vertragen und nach einem gemeinsamen Ausflug ein gemeinsames Foto auf dem Bett als verführerische Bautänzerinnen planen. Leider führt keine der Damen einen Bauchtanz vor, daß hätte dem Film sicherlich noch einen weiteren Pluspunkt beschert.
Jedenfalls muß Dilys Laye als Florence eine ganze Zeitlang ihre Brüste zurecht stopfen, bevor Glad endlich den Selbstauslöser betätigt und zu ihr aufs Bett hüpft. Auch klar, daß die Kamera zu früh auslöst und man auf dem Foto den beiden Damen nur noch unter die Röcke schauen kann. Liz Fraser ist übrigens auch in Doctor in Love, von 1960 in Unterwäsche beim Bügeln zu sehen. Ein Film, den ich mir noch besorgen werde. Was die Carry on-Reihe angeht, so werde ich in den nächsten Tagen mal die ganze Reihe nach interessanten Szenen durchforsten.
Miederlady
Bei der Miederlady finden Sie Bilder von älteren Frauen, die sich in ihrem Mieder aus den 50er oder 60er Jahren präsentieren. Die Seite stellt fest, daß sie erst ab 18 Jahren zu betreten ist, wenngleich ich nicht den Eindruck gewinnen konnte, daß dort irgendwelche Pornographie oder für Jugendliche ungeeignetes Material zu finden sei.
Der Schwerpunkt der Miederlady sind Frauen, die sich Hüfthalter, Korselett, Longline Büstenhalter und stramme Miederhosen, eben grundsätzlich in jeder Form von Miederwäsche aus den 60er Jahren, ablichten lassen, wobei das Zauberwort der Seite eindeutig “stramm” ist.
Nun, eine Gruppe Damen im mittleren Alter beim ausgiebigen Spaziergang im Wald, nur in eng sitzender Unterwäsche bekleidet, zu beobachten, kann wohl bestenfalls als exzentrisch, keinesfalls aber als pornographisch gewertet werden.
Ehe für Anfängerinnen
Bei Diogenes erschien 1963 eine kleiner Band mit dem Titel “Die Ehe für Anfängerinnen”. Er enthält einige Beiträge aus einer Schweizer Radioshow mit dem Titel “Der häusliche Drill”, bei der Stephanie Glaser Beispiele für den kontrollierten Umgang mit dem werten Gatten gibt.
So zum Beispiel Tips, wie man einen Pelzmantel bekommt, was seinerzeit politisch noch eine völlige korrekte Forderung einer liebenden Gattin war, oder wie man ihm das Zeitunglesen und den Stammtisch ein für allemal abgewöhnt.
Besonders humorvoll wurde diese Satire seinerzeit beim eidgenössischen Publikum nicht aufgenommen, da humoristische Betrachtungen über die Zwischengeschlechtlichkeit damals noch nicht allzu weit verbreitet waren. Daher bekam Frau Glaser eine Menge unschöner Post, obwohl der eigentliche Autor der satirischen Textlein Hans Gmür war.
Sprüche wie: “Ein wohlerzogener Ehemann im Haus erspart sowohl eine Putz- und Waschfrau, als auch ein Dienstmädchen”, reizten zwar verständlicherweise Loriot dazu sie trefflich zu illustrieren, trafen aber auch den Nerv der Herren, die so kurz vor der lila, schwarzen Revolution standen bis Mark.
Die Büchse der Pandora
Ausnahmsweise kann man diese Büchse der Pandora öffnen, ohne dabei größeren Schaden zu nehmen, außer vielleicht an seinem Geldbeutel, weil der weniger Entscheidungsfreude mit übervollem Bestellzettel an der Kasse stehen wird. Nun, was gibt es in Pandoras Büchse zu finden? Retro Underwear, Vintage Lingerie und Accessoires.
Kling gut, oder? Ist gut. Wer Bloomers sucht oder French Knickers ist hier bestens aufgehoben. Irgendwie ist der Shop komplett. Selbst passende Handschuhe findet man. Ob mit Spitze oder aus Seide, ellenbogenland, kurz oder fingerfrei, alles da.
Von Rubrik der 60er und 50er Jahre Mieder kann sich so mancher angebliche Miedershop eine Scheibe abschneiden und wird dann doch nicht fett.
Unter der Rubrik Accessoires finden sich unter anderem, die für viele Büstenhalter dieser Zeit unvermeidlichen Bullet Bra Pads. Pandoras Kiste der Accessoires ist generell ein Hort der Freude.
Die Büchse der Pandora ist der umfangreichste Shop in Sachen Vintage Lingerie den ich bislang gesehen habe. Dort findet man wirklich für jedes vergangene Jahrzehnt etwas Passendes zum drunter ziehen. Darüber hinaus gibt es viele Anleitungen und Erklärungen für denjenigen, der sich noch nicht so in der Historie und Geometrie des weiblichen Darunters der letzten Jahrzehnte auskennt.
Mein persönliches Highlight sind die Strumpfhalterclips, die man mit einer zweiten Klemme dort anbringen kann wo normalerweise keine Strumpfhalterclips dran sind. So wird jede Unterwäsche nachträglich mit Strumpfhaltern ausgerüstet, ohne das Nähkenntnisse erforderlich sind. Das ist das ultimative Tunigset für neuzeitliche Billigwäsche. Die Engländer haben’s halt raus, wenn’s ums Verpacken geht.